Dieser Artikel ist Teil unseres ausführlichen Kratom-Leitfadens und beleuchtet die gängige Einteilung der Mitragyna speciosa-Blätter nach Venenfarbe sowie die daraus hervorgegangenen Produktkategorien — von traditionellem Pulver bis zu modernen Flüssigextrakten.
TL;DR
- Die Einteilung in roten, grünen und weißen Vein bezieht sich auf die Farbe der Blattmittelrippe und ist traditioneller Herkunft.
- Gold- und Yellow-Varianten entstehen durch spezielle Trocknungs- oder Fermentationsverfahren, nicht durch eigene Pflanzen.
- Nutzer berichten: Rot = entspannend, Grün = ausgewogen, Weiß = aktivierend — wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt.
- Extrakte konzentrieren die Alkaloide; schnellerer Onset, nur für erfahrene Anwender geeignet.
- Regionale Namen wie Maeng Da oder Borneo sind oft Marketing, keine botanische Kategorisierung.
| Botanischer Name | Mitragyna speciosa (Korthals, 1839) |
| Pflanzenfamilie | Rubiaceae (Rötegewächse / Kaffeefamilie) |
| Herkunft | Südostasien — Thailand, Malaysia, Indonesien (Borneo) |
| Hauptalkaloide | Mitragynin (~66 %), 7-Hydroxymitragynin (~2 %) |
| Erhältliche Formen | Pulver, Kapseln, Flüssigextrakt |
| Rechtsstatus (DE) | Legal — weder im BtMG noch im NpSG gelistet |
Kratom-Blatt im Detail — Mitragyna speciosa
Wikimedia Commons · CC BY 3.0
Was bedeutet "Venenfarbe"?
Die Venenfarbe bezeichnet die Farbe der Mittelrippe (Midrib) und der feinen Blattadern eines frisch gepflückten Kratom-Blattes. Traditionell wird zwischen drei Grundtypen unterschieden: rot, grün und weiß. Diese Einteilung stammt aus den Anbaugebieten Südostasiens — insbesondere Kalimantan (Borneo), Sumatra und den malaysischen Regionen — und wurde von lokalen Bauern über Generationen hinweg genutzt, um Blätter nach wahrgenommenen Wirkungsprofilen zu sortieren.
Ob die Venenfarbe tatsächlich genetisch bedingt ist, durch das Reifestadium bei der Ernte entsteht oder eine Kombination beider Faktoren darstellt, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Phytochemische Analysen (u. a. Hassan et al. 2013) zeigen, dass sich die Alkaloidverhältnisse zwischen Chemotypen und Reifestadien unterscheiden können — eine strenge Korrelation zwischen Venenfarbe und einem spezifischen Alkaloidmuster ist jedoch bislang nicht eindeutig belegt.
Gold- und Yellow-Varianten sind keine eigenständigen Pflanzen, sondern das Resultat modifizierter Nachernteprozesse: verlängerte Trocknung unter UV-Licht, kontrollierte Fermentation oder das Mischen verschiedener Chargen kann das Alkaloidprofil verändern und eine andere Farbgebung des getrockneten Pulvers erzeugen.
Die Sorten im Detail
Roter Vein (Red Vein)
Rote Blätter stammen meist von reiferen Pflanzen und werden teils zusätzlich fermentiert. Analysen deuten darauf hin, dass Mitragynin der dominierende Alkaloidanteil bleibt, während der Anteil an 7-Hydroxymitragynin in roten Varianten tendenziell höher ausfallen kann.
Mitragynine
In Nutzerbefragungen (u. a. Grundmann 2017) berichten Anwender roter Varianten häufiger über entspannende, körperlich schwerere Empfindungen — Gründe, warum rote Sorten traditionell für den späten Nachmittag und Abend bevorzugt werden.
amama führt den roten Typus als flüssiges Konzentrat:
Grüner Vein (Green Vein)
Grüne Blätter werden in einem mittleren Reifestadium geerntet und zeigen ein ausgewogenes Alkaloidspektrum. Nutzer beschreiben grüne Sorten als den vielseitigsten Typus: weder stark sedierend noch stark aktivierend, mit einer leichten Stimmungsaufhellung und guter Eignung für den Tagesgebrauch.
Grüner Vein gilt als der beliebteste Einstieg für neue Anwender, da das Profil als verträglich und moderat wahrgenommen wird.
Weißer Vein (White Vein)
Weißer Vein wird von jüngeren Blättern gewonnen. Das Alkaloidprofil zeigt tendenziell einen höheren Anteil an Speciociliatin und Paynantheine relativ zum Gesamtmitragynin. Nutzer berichten über ein aktivierendes, fokussierendes Profil, das traditionell für Morgen- und frühe Tagesstunden genutzt wird.
Gold/Gelber Vein (Gold/Yellow Vein)
Gold- und Yellow-Varianten entstehen durch verlängerte Trocknungsverfahren, spezielle Fermentation oder das gezielte Blenden mehrerer Venenfarben. Das Ergebnis ist ein nuanciertes, milderes Profil, das viele Nutzer als ausgewogen beschreiben. Diese Varianten sind saisonabhängig und nicht durchgängig verfügbar.
Extrakte
Extrakte sind konzentrierte Alkaloidfraktionen, die durch Wasser- oder Wasser-Ethanol-Extraktion aus Rohpulver gewonnen werden. Sie zeichnen sich durch einen schnelleren Wirkeintritt und deutlich höhere Alkaloidkonzentrationen pro Volumen aus — entsprechend sind sie ausschließlich für erfahrene Anwender gedacht.
Eine ausführliche Einordnung findest du in unserem Artikel zu Kratom-Extrakten.
Große Vergleichstabelle
| Sorte | Alkaloid-Profil | Wirkung (Nutzerberichte) | Beste Verwendung | amama-Produkt |
|---|---|---|---|---|
| Roter Vein | Mitragynin-betont, tendenziell höherer 7-OH-Anteil | Entspannend, körperschwer | Abend, Entspannung | Red Mamba Extract |
| Grüner Vein | Ausgewogenes Alkaloid-Profil | Balanced, leichte Stimmungsaufhellung | Tagsüber | Green Mamba Extract 30ml |
| Weißer Vein | Höherer Speciociliatin-/Paynantheine-Anteil | Aktivierend, fokussierend | Morgen / Nachmittag | White Mamba Extract 30ml |
| Gold / Gelb | Geändertes Profil durch Trocknungsverfahren | Mild, ausgewogen, nuanciert | Flexibel | Kratom-Pulver 150g |
| Extrakt | Hochkonzentriert (Flüssigextrakt) | Stärker, schnellerer Onset | Erfahrene Nutzer | Alle Mamba-Extrakte |
Welche Sorte für mich?
- Wenn du Kratom zum ersten Mal ausprobierst — starte mit einer grünen Variante. Sie gilt als ausgewogen und ist ein guter Referenzpunkt, um dein eigenes Erleben einzuordnen.
- Wenn du abends abschalten möchtest — wähle eine rote Sorte. Nutzer beschreiben das Profil als körperlich beruhigend.
- Wenn du morgens Klarheit und Fokus suchst — die weiße Variante wird traditionell am Tag genutzt.
- Wenn du bereits Erfahrung hast und ein kompaktes Format bevorzugst — Flüssigextrakte bieten kurze Einnahme und schnelleren Onset.
Regionaler Ursprung und Sorten
Mitragyna speciosa in ihrem natürlichen Habitat im Dorf Nanga Embaloh, West-Kalimantan (Borneo), Indonesien — das historische Kerngebiet des traditionellen Kratom-Anbaus.
Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Namen wie Maeng Da, Bali, Borneo, Thai oder Sumatra tauchen auf vielen Verpackungen auf — sind aber mit Vorsicht zu lesen:
- Maeng Da bedeutet auf Thailändisch sinngemäß "Pimp Grade" oder "hochwertig" — es ist ein Marketingbegriff, keine botanische Kategorie. Maeng Da kann rot, grün oder weiß sein.
- Bali bezieht sich historisch auf den Exporthafen, nicht auf den Anbauort. Viele "Bali"-Kratoms stammen tatsächlich aus Kalimantan (Borneo, Indonesien) — dem weltweit wichtigsten Anbaugebiet.
- Borneo ist die botanisch konsistenteste Herkunftsangabe, da ein Großteil des weltweit gehandelten Kratoms dort wächst.
- Thai wird oft verwendet, obwohl der kommerzielle Anbau in Thailand historisch eingeschränkt war — viele "Thai"-Produkte sind Chemotypen, die auf thailändischen Sorten basieren, jedoch in Indonesien kultiviert werden.
Für Verbraucher ist daher die Kombination aus Venenfarbe + Herkunftsland + Anbieter-Transparenz aussagekräftiger als ein regionaler Handelsname allein. amama bezieht das Rohmaterial aus Kalimantan.
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- Kratom-Leitfaden (Pillar)
- Kratom-Wirkung und Pharmakologie
- Kratom-Extrakte im Detail
- Kratom-Zubereitung: Tee, Pulver, Extrakt
Quellen
- Hassan, Z., Muzaimi, M., Navaratnam, V., Yusoff, N. H. M., Suhaimi, F. W., Vadivelu, R., ... & Müller, C. P. (2013). From Kratom to mitragynine and its derivatives: physiological and behavioural effects related to use, abuse, and addiction. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 37(2), 138–151.
- Grundmann, O. (2017). Patterns of Kratom use and health impact in the US — Results from an online survey. Drug and Alcohol Dependence, 176, 63–70.
- Singh, D., Narayanan, S., & Vicknasingam, B. (2016). Traditional and non-traditional uses of Mitragynine (Kratom): A survey of the literature. Brain Research Bulletin, 126, 41–46.
- Kruegel, A. C., & Grundmann, O. (2018). The medicinal chemistry and neuropharmacology of kratom: A preliminary discussion of a promising medicinal plant and analysis of its potential for abuse. Neuropharmacology, 134, 108–120.
- World Health Organization, Expert Committee on Drug Dependence (2021). Pre-Review Report: Kratom (Mitragyna speciosa), mitragynine, and 7-hydroxymitragynine. WHO, Geneva.
Stand: 2025. Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Kratom (Mitragyna speciosa) ist in Deutschland nicht im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) oder Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) gelistet und legal. Es werden keine Heil-, Linderungs- oder Therapieversprechen gemacht. Bei gesundheitlichen Fragen konsultiere bitte eine qualifizierte medizinische Fachperson.
Weiterführende Artikel
- Kratom Leitfaden: Das vollständige Pflanzenprofil
- Kratom Wirkung: Alkaloide & Wirkungsmechanismus
- Kratom-Extrakt: Potenz, Typen & Dosierung
- Kratom Zubereitung: Methoden & Best Practices
→ Mitragynin Substanzprofil — Chemie & Pharmakologie


