Dieser Artikel ist Teil 5 unseres siebenteiligen Kratom-Leitfadens. Er konzentriert sich auf die praktischen Methoden, mit denen Mitragyna speciosa traditionell und heute zubereitet wird — von der klassischen Teebereitung bis zur sublingualen Anwendung von Flüssigextrakten.
TL;DR
- Tee ist die empfohlene Einstiegsmethode — sanft, kontrollierbar, traditionell.
- Wassertemperatur 80–90 °C, nicht kochen: hohe Hitze kann Alkaloide wie Mitragynin abbauen.
- Toss & Wash ist schnell, aber geschmacklich herausfordernd und für Einsteiger weniger geeignet.
- Joghurt oder Shake maskieren den bitteren Geschmack effektiv im Alltag.
- Flüssigextrakte (z. B. Mamba) sind für erfahrene Anwender gedacht und wirken sublingual schneller.
| Botanischer Name | Mitragyna speciosa (Korthals, 1839) |
| Pflanzenfamilie | Rubiaceae (Rötegewächse / Kaffeefamilie) |
| Herkunft | Südostasien — Thailand, Malaysia, Indonesien (Borneo) |
| Hauptalkaloide | Mitragynin (~66 %), 7-Hydroxymitragynin (~2 %) |
| Erhältliche Formen | Pulver, Kapseln, Flüssigextrakt |
| Rechtsstatus (DE) | Legal — weder im BtMG noch im NpSG gelistet |
Kratom-Blatt im Detail — Mitragyna speciosa
Wikimedia Commons · CC BY 3.0
Kratom als Tee (empfohlen für Einsteiger)
Die Teezubereitung ist die traditionellste und gleichzeitig kontrollierteste Art, Kratom anzuwenden. In den Ursprungsregionen Südostasiens — Thailand, Malaysia und dem indonesischen Kalimantan — wird Mitragyna speciosa seit Jahrhunderten als Aufguss konsumiert (Hassan et al., 2013).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Pulver abmessen. Beginnen Sie mit einer niedrigen Menge. Die genaue Dosierung hängt von Sorte, individueller Empfindlichkeit und Erfahrung ab — im Zweifel lieber weniger (siehe Kratom-Wirkung).
- Wasser erhitzen — aber nicht kochen. Die ideale Temperatur liegt bei 80–90 °C. Kochendes Wasser kann empfindliche Alkaloide thermisch belasten. Wer ein Thermometer nutzt, ist auf der sicheren Seite; alternativ den Wasserkocher kurz vor dem Siedepunkt abstellen oder nach dem Aufkochen 1–2 Minuten stehen lassen.
- Zitronensaft hinzufügen (optional). Ein Spritzer Zitrone senkt den pH-Wert. Zitronensäure kann die Extraktion der Alkaloide unterstützen, da diese in saurem Milieu besser in Lösung gehen.
- 15–20 Minuten ziehen lassen. Gelegentlich umrühren. Längere Ziehzeiten extrahieren mehr Alkaloide, verstärken aber auch den bitteren Geschmack.
- Abseihen. Ein feines Sieb, ein Kaffeefilter oder ein Teebeutel aus Baumwolle trennen das Pulver vom Aufguss.
- Abschmecken. Honig, Ingwer, Zimt oder ein Stück Zitronenschale mildern die charakteristische Bitterkeit.
Warum Tee für Einsteiger sinnvoll ist
- Langsamer Wirkungseintritt (20–30 Minuten) — der Körper hat Zeit zu reagieren.
- Gut dosierbar über die Menge des aufgegossenen Pulvers.
- Magenschonender als das direkte Schlucken von Pulver.
- Ritualcharakter: Die Zubereitung selbst schafft Achtsamkeit im Umgang mit der Pflanze.
Toss & Wash
Bei dieser Methode wird abgemessenes Kratom-Pulver direkt auf die Zunge gegeben und mit einer Flüssigkeit (Wasser, Saft) hinuntergespült.
Vorteile:
- Keine Vorbereitungszeit.
- Schnellerer Wirkungseintritt als bei Tee (ca. 15–25 Minuten).
- Keine Reduktion durch Aufguss — das gesamte Alkaloidprofil bleibt erhalten.
Nachteile:
- Der Geschmack ist intensiv bitter und erdig.
- Der Würgereflex kann ausgelöst werden.
- Weniger präzise Kontrolle als bei Tee.
Tipps zur Minimierung des Würgereflexes
- Pulver in kleinen Portionen (z. B. zwei Halbportionen) nehmen.
- Vorher einen Schluck der Spülflüssigkeit im Mund haben, dann Pulver nachschütten.
- Kalte Flüssigkeiten erleichtern das Schlucken.
- Tief durch die Nase atmen, nicht durch den Mund.
Für den ersten Kontakt mit Kratom ist diese Methode nicht empfohlen.
Kratom im Joghurt oder Shake
Das Einrühren in Joghurt oder einen Proteinshake ist eine der praktikabelsten Alltagsmethoden, besonders für regelmäßige Anwender, die den Geschmack maskieren möchten.
- Vollfett-Joghurt wird empfohlen — Fette können die Aufnahme fettlöslicher Pflanzenstoffe unterstützen.
- Banane, Kakao oder Nussmus überdecken die Bitterkeit zusätzlich.
- Keine Zitrussäfte in Kombination mit der Joghurt-Methode: Die Säure kann das Milchprotein ausflocken lassen (optisch und geschmacklich ungünstig).
- Gut umrühren, damit sich keine Klumpen bilden.
Die Absorption erfolgt etwas langsamer als bei Tee oder Toss & Wash, weil die Magenentleerung durch den festen Nahrungsbestandteil verzögert wird — das kann für eine gleichmäßigere Kinetik sorgen.
Kratom-Extrakt (Mamba): Sublinguale Anwendung
Flüssigextrakte wie das Mamba-Sortiment sind konzentrierte Auszüge und richten sich an Anwender mit Erfahrung.
Anwendung
- Eine abgemessene Portion (die Pipette oder Dosierkappe nutzen) unter die Zunge geben.
- 30–60 Sekunden halten — die Schleimhaut unter der Zunge ist stark durchblutet, sodass ein Teil der Alkaloide direkt resorbiert werden kann.
- Anschließend schlucken.
Warum sublingual?
Die sublinguale Aufnahme umgeht teilweise den First-Pass-Metabolismus in der Leber. Der subjektive Wirkungseintritt wird von Anwendern oft mit 10–20 Minuten beschrieben — schneller als bei Tee oder Toss & Wash.
Alternative: Im Saft
Wer den Geschmack nicht sublingual aushält, kann die Portion in eine kleine Menge Saft oder Wasser geben und trinken. Der Wirkungseintritt ist dann etwas langsamer, da die Resorption überwiegend im Magen-Darm-Trakt erfolgt.
Extrakte sind für erfahrene Anwender gedacht, weil die Alkaloidkonzentration deutlich höher als bei Blattpulver ist. Einsteigern empfehlen wir den klassischen Tee aus Kratom-Pulver.
Traditionelle Methoden aus Südostasien
In Malaysia, Südthailand und auf Borneo gehört Mitragyna speciosa seit Generationen zum dörflichen Alltag (Singh et al., 2014; Vicknasingam et al., 2010).
Frische Blätter kauen
Landarbeiter in Südthailand und Kedah (Malaysia) kauen traditionell frische Kratom-Blätter — meist nach Entfernen der Mittelrippe. Mit getrocknetem Pulver funktioniert diese Methode nicht: Frische Blätter enthalten Saft, der das Kauen ermöglicht, während trockenes Pulver im Mund nur klumpt.
Dorftee in Kalimantan
Auf Borneo werden ganze Blätter in Wasser über Stunden eingekocht, abgeseiht und oft mit weiteren Kräutern kombiniert. Diese Tees werden als "ketum" oder "biak-biak" bezeichnet und in sozialen Kontexten — bei gemeinschaftlicher Arbeit, auf dem Feld, in Versammlungen — getrunken.
Diese Zubereitungen sind mehr als Methode: Sie sind Teil eines kulturellen Gefüges, in dem Pflanze, Arbeit und Gemeinschaft zusammengehören. Mehr zur Herkunft unserer Blätter finden Sie im Abschnitt über Kratom-Sorten.
Mitragyna speciosa in ihrem natürlichen Habitat im Dorf Nanga Embaloh, West-Kalimantan (Borneo), Indonesien — das historische Kerngebiet des traditionellen Kratom-Anbaus.
Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Vergleichstabelle der Zubereitungsmethoden
| Methode | Schwierigkeit | Onset | Empfohlen für |
|---|---|---|---|
| Tee | Einfach | 20–30 min | Einsteiger |
| Toss & Wash | Mittel | 15–25 min | Erfahrene |
| Im Joghurt | Einfach | 20–35 min | Alltag |
| Flüssigextrakt | Einfach | 10–20 min | Erfahrene |
| Frisches Blatt kauen | Traditionell | 10–15 min | — |
Die angegebenen Onset-Zeiten sind Erfahrungswerte aus Anwenderumfragen (Grundmann, 2017) und können individuell stark variieren.
Lagerung und Haltbarkeit
Die Qualität von Kratom steht und fällt mit der Lagerung. Mitragynin und die begleitenden Alkaloide sind empfindlich gegenüber Licht, Hitze, Sauerstoff und Feuchtigkeit.
Mitragynine
Grundregeln
- Luftdicht verschlossen aufbewahren (Originalverpackung oder Weckglas).
- Dunkel lagern — UV-Licht beschleunigt den Alkaloidabbau.
- Kühl und trocken — idealerweise bei Raumtemperatur, nicht im Badezimmer oder über dem Herd.
- Bei sehr humidem Klima kann ein Lebensmittel-Trockenmittel (Silica-Gel) in der Dose sinnvoll sein.
Haltbarkeit
- Kratom-Pulver bleibt luftdicht und dunkel gelagert in der Regel 1–3 Jahre qualitativ stabil. Farbe (sattes Grün bis Olivgrün) und Aroma sind gute Indikatoren — ein muffiger oder abgestandener Geruch deutet auf Qualitätsverlust hin.
- Flüssigextrakte (Mamba) sind bei sachgerechter Lagerung ebenfalls über längere Zeit stabil; die genaue Haltbarkeit steht auf dem Etikett.
Die Verpackungen von amama sind auf Lichtschutz und Luftdichtigkeit ausgelegt, um die Alkaloidstabilität über die Lagerzeit zu erhalten.
Zurück zum Leitfaden
- Hauptartikel: Kratom: Der vollständige Leitfaden
- Sorten verstehen: Red, Green, White — Kratom-Sorten im Vergleich
- Wirkung und Pharmakologie: Kratom-Wirkung
- Konzentrierte Auszüge: Kratom-Extrakt erklärt
Quellen
- Grundmann, O. (2017). Patterns of Kratom use and health impact in the US — Results from an online survey. Drug and Alcohol Dependence, 176, 63–70.
- Hassan, Z., Muzaimi, M., Navaratnam, V., et al. (2013). From Kratom to mitragynine and its derivatives: Physiological and behavioural effects related to use, abuse, and addiction. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 37(2), 138–151.
- Singh, D., Müller, C. P., & Vicknasingam, B. K. (2014). Kratom (Mitragyna speciosa) dependence, withdrawal symptoms and craving in regular users. Drug and Alcohol Dependence, 139, 132–137.
- Vicknasingam, B., Narayanan, S., Beng, G. T., & Mansor, S. M. (2010). The informal use of ketum (Mitragyna speciosa) for opioid withdrawal in the northern states of peninsular Malaysia and implications for drug substitution therapy. International Journal of Drug Policy, 21(4), 283–288.
- World Health Organization (2021). Expert Committee on Drug Dependence — Critical Review Report: Kratom (Mitragyna speciosa), mitragynine, and 7-hydroxymitragynine. Genf: WHO.
Stand: 2025. Dieser Artikel dient ausschließlich der pflanzenkundlichen und kulturellen Information. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ist keine Aufforderung zum Konsum. Kratom ist in Deutschland legal (nicht im BtMG oder NpSG gelistet), wird jedoch in anderen Ländern unterschiedlich reguliert. Personen mit Vorerkrankungen, Schwangere, Stillende sowie Personen, die Medikamente einnehmen, sollten vor jedem Gebrauch traditioneller Pflanzen ärztlichen Rat einholen.
Weiterführende Artikel
- Kratom Leitfaden: Das vollständige Pflanzenprofil
- Kratom Wirkung: Alkaloide & Wirkungsmechanismus
- Kratom-Sorten: Rot, Grün & Weiß erklärt
→ Mitragynin Substanzprofil — Chemie & Pharmakologie


