TL;DR
| Botanischer Name | Mitragyna speciosa (Korthals, 1839) |
| Pflanzenfamilie | Rubiaceae (Rötegewächse / Kaffeefamilie) |
| Herkunft | Südostasien — Thailand, Malaysia, Indonesien (Borneo) |
| Hauptalkaloide | Mitragynin (~66 %), 7-Hydroxymitragynin (~2 %) |
| Erhältliche Formen | Pulver, Kapseln, Flüssigextrakt |
| Rechtsstatus (DE) | Legal — weder im BtMG noch im NpSG gelistet |
Dies ist der siebte und letzte Artikel unserer Kratom-Serie. Den übergeordneten Kontext zu Mitragyna speciosa findest du im Kratom-Leitfaden. Einen eigenständigen Kanna-Pillar veröffentlichen wir in Kürze — bis dahin bietet dieser Vergleich die ersten Eckdaten zu Sceletium tortuosum.
Kurz & knapp
Kratom und Kanna sind zwei der wichtigsten legalen Ethnobotanika auf dem deutschen Markt. Beide haben dokumentierte traditionelle Anwendungen: Kratom in Südostasien (Thailand, Malaysia, Kalimantan) als Tee oder Kaubblatt, Kanna bei den Khoisan im südlichen Afrika als fermentiertes Fermentationsprodukt (kougoed). Beide sind im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und im Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) nicht gelistet.
Trotz dieser Parallelen unterscheiden sich die beiden Pflanzen pharmakologisch grundlegend. Kratom wirkt primär am Opioid-System, Kanna am Serotonin-System. Dieser Unterschied bestimmt, wann welche Pflanze sinnvoll ist — und wann nicht.
Originale botanische Tafel aus Korthals' Erstbeschreibung von Mitragyna speciosa (1839) — die erste wissenschaftliche Klassifikation des Kratom-Baumes.
Dutch Colonial Botanical Survey, Netherlands East Indies · Public Domain
Mechanismus im Vergleich
| Eigenschaft | Kratom (*Mitragyna speciosa*) | Kanna (*Sceletium tortuosum*) |
|---|---|---|
| Pflanzenfamilie | Rubiaceae (Kaffeegewächse) | Aizoaceae (Mittagsblumengewächse) |
| Herkunft | Südostasien (Borneo, Thailand, Malaysia) | Südliches Afrika (Karoo, Südafrika) |
| Primärer Wirkstoff | Mitragynin, 7-Hydroxymitragynin | Mesembrin, Mesembrenon, Mesembrenol |
| Hauptmechanismus | Partieller μ-Opioid-Rezeptor-Agonist (G-Protein-bias) | Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SRI) + PDE4-Inhibitor |
| Sekundäre Aktivität | Adrenerg, serotonerg | VMAT-2-Modulation |
| Wirkprofil | Entspannend bis aktivierend (sortenabhängig) | Stimmungsaufhellend, sozial, klar |
| Onset (oral) | ca. 15–30 Minuten | ca. 20–45 Minuten |
| Dauer | ca. 3–5 Stunden | ca. 2–4 Stunden |
| Abhängigkeitspotenzial | Möglich bei Dauerhochkonsum | Gering (nach derzeitigem Forschungsstand) |
| Rechtslage (DE) | Legal (nicht in BtMG/NpSG gelistet) | Legal (nicht in BtMG/NpSG gelistet) |
| Kombination mit SSRIs | Vorsicht | Kontraindiziert |
Die Tabelle zeigt: Kratom und Kanna sind keine Varianten desselben Prinzips, sondern zwei eigenständige pharmakologische Systeme. Details zum Kratom-Mechanismus findest du im Artikel zu Mitragynin und im Überblick zur Kratom-Wirkung.
Mitragynine
Kratom: Wann ist es die bessere Wahl?
Kratom eignet sich — so berichten traditionelle und moderne Nutzer — besonders für:
- Abendliche Entspannung mit rotvenigen Sorten wie Red Mamba
- Körperlich geprägte Erfahrung: Nutzer beschreiben häufig eine "body-heavy" Qualität, die sich deutlich von serotonergen Substanzen unterscheidet
- Umgang mit körperlichem Unbehagen: in der Grundmann-Umfrage (2017, n=8.049) nannten viele Teilnehmer physisches Discomfort-Management als Hauptmotivation
- Alkaloid-Komplexität für erfahrene Botanik-Interessierte, die das Zusammenspiel von Mitragynin, 7-OH-Mitragynin, Speciociliatin, Speciogynin und Paynanthein schätzen
- Sortenflexibilität: White, Green und Red Vein bieten je nach Tageszeit unterschiedliche Profile
Weniger geeignet, wenn du tagsüber hochkonzentriert arbeiten musst, SSRIs einnimmst (theoretisches serotonerges Risiko) oder mit Opioid-Medikamenten oder ZNS-Dämpfern kombinieren müsstest.
Kanna: Wann ist es die bessere Wahl?
Kanna (Sceletium tortuosum) hat ein deutlich anderes Einsatzgebiet. Nutzer berichten typischerweise:
- Tagsüber verwendbare Stimmungsaufhellung ohne ausgeprägte Sedierung
- Soziale Leichtigkeit: die PDE4-Hemmung und SRI-Aktivität werden mit reduzierter sozialer Anspannung in Verbindung gebracht
- Klarer Kopf: anders als Kratom in höheren Dosen bleibt die kognitive Klarheit nach Nutzerberichten weitgehend erhalten
- Milde Fokus-Unterstützung — eine 2013 publizierte Studie (Terburg et al.) zeigte in der Bildgebung reduzierte Amygdala-Reaktivität unter Zembrin-Extrakt
Absolut kontraindiziert: die gleichzeitige Einnahme von SSRIs, SNRIs, MAO-Hemmern oder anderen serotonergen Substanzen. Der Mesembrin-Mechanismus macht Kanna zu einer der wenigen Ethnobotanika mit klarem Serotonin-Syndrom-Risiko bei solchen Kombinationen.
Wechselwirkungen und Sicherheit
Kratom — Vorsicht bei:
- Opioid-Medikamenten (additive Wirkung am μ-Rezeptor)
- ZNS-Dämpfern (Benzodiazepine, Alkohol, Gabapentinoide)
- MAO-Hemmern
- CYP3A4- und CYP2D6-Inhibitoren (metabolische Interferenz)
Kanna — kontraindiziert bei:
- SSRIs (Citalopram, Sertralin, Fluoxetin etc.)
- SNRIs (Venlafaxin, Duloxetin)
- MAO-Hemmern
- Triptanen und anderen serotonergen Wirkstoffen
Kombination Kratom + Kanna: Keine scharfe pharmakologische Kontraindikation ist in der Literatur dokumentiert, da die primären Wirkmechanismen (Opioid vs. Serotonin) nicht direkt überlappen. Studien zur Kombination fehlen jedoch weitgehend. Die indirekte serotonerge Aktivität von Mitragynin könnte in Kombination mit Kanna-Alkaloiden theoretisch additiv wirken. Für neue Nutzer ist eine Kombination nicht empfehlenswert; erfahrene Nutzer sollten ausschließlich niedrige Mengen beider Pflanzen separat kennenlernen, bevor sie Kombinationen erwägen.
Details zum rechtlichen Rahmen für Kratom findest du im Artikel Kratom legal in Deutschland.
Praktische Entscheidungshilfe
Wenn du … dann eher Kratom:
- Eine abendliche, körperorientierte botanische Erfahrung suchst
- Sortenflexibilität (White/Green/Red) nutzen möchtest
- An Alkaloidvielfalt und traditionellen südostasiatischen Zubereitungen interessiert bist
- Nicht auf serotonergen Medikamenten bist
Wenn du … dann eher Kanna:
- Tagsüber milde Stimmungs-Unterstützung möchtest
- Soziale Leichtigkeit und klaren Kopf suchst
- Eine leichtere, kürzere Wirkdauer bevorzugst
- Keine serotonergen Medikamente einnimmst
Für die Kanna-Auswahl: Kanna bei amama.
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- Kratom-Pillar: Der vollständige Kratom-Leitfaden
- Kratom-Spokes: Wirkung · Sorten · Extrakte · Rechtslage · Zubereitung · Forschung
- Kanna-Pillar: erscheint in Kürze — bis dahin siehe Kanna-Kollektion
- Verwandt: Blue Lotus: der vollständige Leitfaden
Quellen
- Grundmann, O. (2017). Patterns of kratom use and health impact in the US — Results from an online survey. Drug and Alcohol Dependence, 176, 63–70. (n=8.049)
- Kruegel, A. C., & Grundmann, O. (2018). The medicinal chemistry and neuropharmacology of kratom: A preliminary discussion of a promising medicinal plant. Neuropharmacology, 134, 108–120.
- Terburg, D., Syal, S., Rosenberger, L. A. et al. (2013). Acute effects of Sceletium tortuosum (Zembrin), a dual 5-HT reuptake and PDE4 inhibitor, in the human amygdala. Neuropsychopharmacology, 38(13), 2708–2716.
- Gericke, N., & Viljoen, A. M. (2008). Sceletium — A review update. Journal of Ethnopharmacology, 119(3), 653–663.
- World Health Organization (2021). Critical Review Report: Kratom (Mitragyna speciosa), Mitragynine, and 7-Hydroxymitragynine. ECDD 44th Meeting — keine Empfehlung zur Einstufung.
Zuletzt aktualisiert: 2025. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information über traditionelle ethnobotanische Verwendung und den aktuellen Forschungsstand. Keine medizinischen Heilversprechen. Produkte von amama sind nicht zum menschlichen Verzehr bestimmt und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente — insbesondere Opioide, Benzodiazepine, SSRIs, SNRIs oder MAO-Hemmer — konsultiere vor der Anwendung von Kratom oder Kanna eine medizinische Fachperson.
Weiterführende Artikel
- Kratom Leitfaden: Das vollständige Pflanzenprofil
- Kratom Wirkung: Alkaloide & Wirkungsmechanismus
- Kratom Rechtslage in Deutschland & Europa 2026
→ Mitragynin Substanzprofil — Chemie & Pharmakologie


